WI-Award 2018

10. Schweizer Wirtschaftsingenieur Award

4. Schweizer Wirtschaftsingenieurtag 

 

 

Hochkarätig besetzter Kongress und spannende Preisverleihung 

 

Die Vereinigung Wirtschaftsingenieure Schweiz lädt einmal pro Jahr zum WI-Tag mit Referaten und der Verleihung des WI-Awards für herausragende Arbeiten von Studierenden der sechs Partnerschulen. Auch dieses Jahr war der Anlass erfolg- und erkenntnisreich. 

 

Rund 70 Gäste waren der Einladung gefolgt, die mit hochkarätigen Referenten einen interessanten Kongress und mit der Verleihung des WI-Awards einen spannenden Blick in die Betätigungsfelder der jüngsten Generation der Schweizer Wirtschaftsingenieure versprach. So viel vorweg: Die hohen Erwartungen der Teilnehmenden wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Der Reihe nach: Der WI-Tag 2012 fand am 19. Oktober 2012 bei prächtigem Herbstwetter im Casino Baden statt. Das Publikum setzte sich aus Unternehmern und Wirtschaftsvertretern, Wirtschaftsingenieuren, Vertretern der Partnerschulen, Sponsoren, Studierenden und Vertretern der Wirtschaftsingenieur-Vereinigungen Deutschland und Österreich zusammen. Im ersten Teil wurde das Kongressthema «Macht durch Informationen?» in drei Referaten von Vertretern aus Politik, Forschung und Wirtschaft beleuchtet.

 

 

 

«Mythen sind lebensgefährlich» 

 

Den Anfang machte FDP-Nationalrat und Unternehmer Ruedi Noser (Noser Gruppe). Der gelernte Elektroingenieur mit verschiedenen Zusatzausbildungen war und ist neben seiner politischen und unternehmerischen Tätigkeit auch immer wieder in Vereinigungen engagiert. So war er bis 2006 Zentralpräsident von SWISS Engineering, der Dachorganisation der Schweizer Wirtschaftsingenieure. Noser analysierte in seinem packenden Referat das Kongressthema aus politischer Sicht. Er machte dabei auf drei Ebenen Spannungsfelder aus: Auf der Ebene der Wirtschaft, wo es darum geht, welche Informationen man verwenden, welche man schützen soll (Geschäftsgeheimnis, Bankgeheimnis etc.). Auf der Ebene der Bürger, die Recht auf Information haben, aber die man allein schon aus quantitativen Gründen nicht immer über alles informieren kann. Und auf der Ebene des Staates, der Informationen über die Bürger benötigt, aber auch die Privatsphäre jedes Einzelnen zu wahren hat. Den bewussten und richtigen Umgang mit Informationen sieht Noser im Zeitalter der Digitalisierung, wo man theoretisch alles veröffentlichen kann, als eine der grössten Herausforderungen. Er schloss seine Ausführungen über den Kreislauf von Krisen und Regulation mit einem Dreipunkteprogramm, basierend auf der ehrlichen Information des Souveräns durch den Staat, der werteorientierten Handlungsweise jedes Einzelnen und der Befreiung von lebensgefährlichen Mythen, weil diese gemäss Noser eine Werthaltung darstellen, bei der man selbst nicht denken muss und sie wirken trotzdem.

 

 

 

«Big Mother statt Big Brother» 

 

Mit Karin Frick, Head of Think Tank und Member of the Executive Board des Gottlieb Duttweiler Institutes nahm sich eine Vertreterin der Zukunftsforschung dem Thema «Macht durch Informationen?» an. Die Ökonomin führte den Anwesenden vor Augen, dass sich im heutigen Zeitalter der Transparenz alles, was wir tun, in Daten verwandelt. Diese Daten seien der Rohstoff und die Währung der Wirtschaft und Gesellschaft von morgen, denn diese stetig zunehmende Flut von Daten liesse sich einerseits von Anbietern aus- und verwerten, die Daten würden aber andererseits auch immer häufiger auf sozialen Plattformen geteilt. Gemäss Karin Frick wird das immer dichter werdende Informationsökosystem einen Einfluss auf gesellschaftliche Trends haben. Zum Beispiel sei die Zeit vorbei, in der die Privatsphäre als höchstes Gut gelte. Das Leben werde wieder öffentlicher. Karin Frick ist überzeugt, dass aufgrund dieser stärkeren Öffentlichkeit ein Wandel vom ungeliebten «Big Brother» zur liebevollen «Big Mother» stattfinden wird, sprich, dass sich die Einstellung gegenüber der Datentransparenz verändern wird. Da mehr Daten mehr Wissen und mehr Wissen mehr Macht bedeutet, werden gemäss Frick künftig neue Systeme gefordert, die jedem Einzelnen mehr Kontrolle über seine eigenen Daten geben. Diesem Trend entspreche etwa «Zurker», das soziale Netzwerk der Zukunft, bei dem jedes Mitglied zugleich Anteilseigner ist.

 

 

 

«Innovationen basieren auf Informationen» 

 

Als dritter im Bunde befasste sich Peter Zuber, Leiter New Business Development von 3M und Mitglied der Geschäftsleitung, aus Sicht der Wirtschaft mit dem Thema. Er vertrat die Ansicht, dass es ohne Informationen keine Innovationen gebe. Und ohne die vielen Innovationen in ihrer Geschichte hätte die Firma 3M nie die Marktführerschaft erlangt. Bezeichnenderweise sind denn auch 7'000 der weltweit über 84'000 Mitarbeitenden im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Das heisst, dass hier in 46 verschiedenen Technologie-Plattformen täglich Informationen zu Wissen verarbeitet werden und dass aus dem Wissen neue oder optimierte Produkte entstehen. Die dafür nötigen Informationen beruhen zu einem grossen Teil auf Gesprächen mit Kunden. Dabei legt man bei 3M Wert auf den verantwortungsvollen und transparenten Umgang mit Kundeninformationen. Wer 3M Informationen gebe, solle daraus auch einen Nutzen haben. Zum Beispiel durch die bedürfnisgerechten Weiterentwicklung eines bestehenden Produktes. So sei die Wechselwirkung zwischen Information und Innovation dann erfolgreich, wenn beide Seiten davon profitieren. Seine Ausführungen brachte Peter Zuber in einem Fazit auf den Punkt: «Forschung ist die Transformation von Geld zu Information und Wissen. Innovation ist die Transformation von Information und Wissen zu Geld.»

 

 

 

Verleihung WI-Award 2012 

 

Nach den drei spannenden Referaten wurden an der von VWI-Mitglied Urs Brunner moderierten Podiumsdiskussion weitere Gedanken zum Thema ausgetauscht mit der Erkenntnis, dass das Thema «Macht durch Informationen?» auch in Zukunft noch viel zu reden geben wird, dass der bewusste Umgang mit Informationen zentral ist und dass man im gemeinsamen Gespräch neue Wege im Umgang mit der Datenflut finden muss. Nach so viel Denkarbeit genossen alle Teilnehmenden eine kurze Pause, bevor es zum zweiten Teil des WI-Tages ging: Der Verleihung des WI-Awards 2012. Erneut hatten die Partnerschulen Bachelor- und Masterarbeiten der Studierenden eingereicht. Eine Kompetenzstelle bewertete alle Arbeiten nach verschiedenen Kriterien und nominierte drei Arbeiten für den WI-Award:

 

 

 

  • Patrick Bamert von der Hochschule für Technik Zürich mit seiner Masterarbeit über die Einführung von Social Media bei der ZKB; eine fundierte Analyse, Empfehlungen mitsamt einer Strategie;

 

 

 

  • Roger Bruderer von der Hochschule Luzern mit seiner Bachelorarbeit «Produktinnovation für ein visionsbasiertes Navigationssystem»; die Entwicklung eines autonomen Indoor-Navigationsgerätes für Sehbehinderte;

 

 

 

  • David Dätwyler von der
    Fachhochschule Nordwestschweiz mit seiner Arbeit «Kostensenkung Trials», welche sich mit der kostengünstigen Herstellung von Versuchsstücken bei Implantationen befasste.

 

 

 

Revolutionäres Navigationssystem für Sehbehinderte 

 

Der Sieger wurde – zu den Ingenieuren passend – über die Dezibelmessung des Applauses ermittelt, den die Kandidaten im Anschluss an ihre Präsentationen erhielten. Das Rennen machte Roger Bruderer mit seinem autonomen Indoor-Navigationsgerät für Sehbehinderte. Der Student hatte seine Arbeit im Rahmen eines Projektes geschrieben, für das er während 2 Tagen pro Woche an einem Institut der Hochschule Luzern engagiert war. Das Gesamtprojekt, an dem weitere Ingenieure beteiligt waren, ist auch für den Swiss Technology Award nominiert. In seiner Arbeit befasste sich Roger Bruderer mit den drei Aspekten Wirtschaft, Technik und Industriedesign des revolutionären Navigationssystems, das weder von Satellit, noch von WLAN oder GSM abhängig ist. Über den WI-Award freute sich Roger Bruderer sehr, denn der Preis sei eine Bestätigung dafür, dass Fachleute die Wichtigkeit dieser Entwicklung erkannt und ästimiert hätten. Neben dieser Auszeichnung nahm Roger Bruderer aus den Händen von VWI-Präsident Frank Schmidt das Preisgeld von CHF 3'000.– und einen 3M-Beamer im Wert von CHF 600.– mit nach Hause – ein willkommener Zuschuss zum geplanten Start in die Selbständigkeit. Der junge Wirtschaftsingenieur wird sich mit einem Partner unter dem Firmennamen awaptec im Bereich der Gebäudeautomation ein Standbein aufbauen. Patrick Bamert und David Dätwyler erhielten ein Preisgeld von je CHF 1'500.– und ebenfalls einen Beamer. Der erkenntnis- und informationsreiche Anlass fand in einem wertvollen Networking-Apéro und einem genussvollen Gala Dinner einen würdigen Abschluss.

 

 

 

 

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